Zeitsicht Art Award

Oberbürgermeisterin der Stadt Augsburg Eva Weber
Oberbürgermeisterin Eva Weber

Foto: Wolfgang Reiserer

»Was Zeitsicht schafft, das können viele Daueraus­stellungen nicht leisten«

Interview mit Eva Weber, Oberbürgermeisterin der Stadt Augsburg

Die besondere Bedeutung von Zeitsicht zeigt sich auch darin, dass die Augsburger Oberbürgermeisterin Eva Weber zur Vernissage kam und ein Grußwort sprach. Bei ihrem anschließenden Rundgang durch die Ausstellung im H2 – Zentrum für Gegenwartskunst im Glaspalast konnten wir der Politikerin ein paar Fragen stellen:

Frau Oberbürgermeisterin, wenn Sie die Ausstellung mit einem Wort charakterisieren sollten, welches wäre das?

EVA WEBER: Wenn ich ein Wort suche, für das, was ich gerade empfinde, dann ist es »Zeitspiegel« Das ist recht nah dran am Namen des Awards, beschreibt für mich aber noch mehr, wie die Kunst auf mich wirkt: Sie bildet nicht nur die vergangenen 20 Jahre ab, indem sie viele aktuelle Fragestellungen aufgreift, sie spiegelt mir dadurch auch, wie bewegt die vergangenen 20 Jahre waren – wie viel sich in der Welt, in unserer Gesellschaft verändert hat.

Woran machen Sie das fest?

Nehmen Sie das Landschaftsbild von Kerstin Braun, das 2002 ausgezeichnet wurde – beim ersten Zeitsicht-Kunstpreis: ein tolles Bild, sehr mystisch, sehr naturbezogen. Im Vergleich dazu aber haben sich viele spätere Preisträger anderen, die jeweiligen Jahre prägenden Themen gewidmet – Kindesmissbrauch etwa, Überwachung oder Umweltzerstörung. Das sind Themen, die unsere Gesellschaft heute mehr umtreiben als noch vor 20 Jahren – und das spiegelt sich auch in der Kunst.

Eine neue Ernsthaftigkeit…

Ja, das trifft es. Zeitsicht zeigt, wie sich der Blick auf die Welt wandelt und was die Menschen umtreibt … Das macht die Ausstellung so wichtig.

»Zeitsicht zeigt, wie sich der Blick auf die Welt wandelt«

Nur Corona findet man hier noch nicht …

Dann warten Sie nochmals zwei, drei Jahre. Ich bin überzeugt, dass die Pandemie sich stark in der Kunst niederschlagen wird. 

Kunst wird in Deutschland vor allem von den Ländern und Kommunen getragen. Hier ist ein Unternehmen Kurator. Welche Bedeutung haben Unternehmen heute für die Kunst?

Eine große, gerade wenn es darum geht, Sprungbretter zu liefern und Sichtbarkeit herzustellen. Sichtbarkeit von Werken, die sich ansonsten vielleicht schwer tun würden, einen Raum zu finden. Manche Kunst- und Kulturschaffende sind sicher skeptisch, ob Unternehmen, die kommerziell orientiert und auf Gewinn aus sind, die richtigen Partner sind. Das mag manchmal auch stimmen. Aber der Zeitsicht Art Award ist ein gutes Beispiel, wie Kooperation funktionieren sollte. Weil sich hauserconsulting eben nicht aufdrängt, sondern andere Kunstschaffende dafür gewinnt, Künstlerinnen und Künstler zu nominieren. Das sorgt für eine große Glaubwürdigkeit des Awards.

Was wünschen Sie Zeitsicht für die nächsten 20 Jahren?

Dass er sich so gut mit der Zeit weiterentwickelt, wie er es in den vergangenen 20 Jahren getan hat und weiterhin ein fester Bestandteil des Kulturlebens unserer Stadt bleibt. Denn Zeitsicht ist ja nicht nur für die Künstlerinnen und Künstler und für hauserconsulting ein tolles Event, sondern gibt auch den Augsburgerinnen und Augsburgern eine Gelegenheit, eine Ausstellung zu erleben, die einen anderen Blick auf die Kunst wirft und dadurch neue Anregungen liefert. Insofern ist Zeitsicht eine Bereicherung für die Stadt – und wird es hoffentlich auch bleiben.

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