Zeitsicht Art Award

Zeitsicht
2023/24

Kurswechsel

Mit dem Zeitsicht Award wechselt ein privat initiiertes Kunstprojekt in städtische Verantwortung.

von Jürgen Kannler, a3-Kultur

Eberhard Hauser gehört mit seiner Beratungsfirma Hauser Consulting zu den Vorzeigeunternehmern unserer Region – überregional erfolgreich und mit starker Verbundenheit zum Standort Augsburg. Zweifelsohne ein Mann, der weiß, welche Bedeutung Kunst und Kultur für einen attraktiven Wirtschaftsraum haben – und der danach handelt. Er ist aktiver Teil unserer Kulturlandschaft, besucht die Theater der Region ebenso selbstverständlich wie die Salzburger Festspiele. Beteiligt sich an den Diskursen unserer Zeit. Ist aktives Mitglied im BBK Schwaben Nord und Augsburg und vergibt als Unternehmer seit mehr als 20 Jahren den Zeitsicht Kunst Award. Doch damit ist nun Schluss.

Beim Zeitsicht Award, immerhin der wichtigsten Auszeichnung für Kunst der Gegenwart, die in unserer Region vergeben wird, gibt es einen Wechsel in der Trägerschaft: Der Preis wird in Zukunft unter der Verantwortung der Kunstsammlungen & Museen der Stadt Augsburg vergeben. Zeitgleich wird das Projekt konzeptionell neu aufgestellt.

Über eine Fördervereinbarung, zunächst für die ersten beiden Ausgaben mit neuem Konzept, bleibt Eberhard Hauser dem Award verbunden. Jeweils 20.000 Euro stellt sein Unternehmen den Kunstsammlungen Augsburg in den Jahren 2024 und 2026 zur Verfügung. Ein Drittel davon geht künftig an die ausgezeichneten Künstler*innen. Damit ist der Zeitsicht Award nicht üppig, aber solide ausgestattet. Die Ausgezeichneten werden dazu eingeladen, wie gehabt einen Aspekt ihrer Arbeit im Rahmen einer Soloausstellung in der städtischen Neuen Galerie im Höhmannhaus zu präsentieren.

Die Auslobung eines Preisgeldes ist einer der neuen Aspekte der Konzeptänderung. Ein weiterer wird sein, dass die Ausgezeichneten von einer, noch zu benennenden, Jury ausgewählt werden. Bisher war die Kuration meist einer prominenten Person aus dem internationalen Kunstmarkt angetragen. Diese wählte eine vielversprechende Nachwuchskraft – in der Regel aus ihrem persönlichen Arbeitsumfeld – aus, um in der Galerie im Höhmannhaus eine Ausstellung zu gestalten; ein Konzept, das auch im zeitlichen Abstand ebenso originell und tragfähig wirkt.

Es ist gut, dass der Leiter der Kunstsammlungen Augsburg Dr. Christof Trepesch den Zeitsicht Kunst Award unter seine Fittiche nimmt. Solch ein Format fehlt im Portfolio seiner Häuser. Der Preis kann ein weiterer Baustein im anstehenden Transformationsprozess beim Thema Gegenwartskunst in unserer Region sein. Zu beachten ist aber auch, dass seine Häuser schon seit ewigen Zeiten ihren Aufgaben mit zu wenig Personal und geringen Projektetats nachkommen sollen, eine Tatsache, die auch dem städtischen Kulturreferenten Jürgen Enninger klar ist. Wenn er im Gespräch auf zehn neu geschaffene Stellen im Aufsichtsbereich verweist, betont er gleichzeitig, dass weitere Schritte im Personalbereich der Kunstsammlungen folgen müssen, um den zuletzt immer weiter gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden. Auch das beste Aufsichtspersonal ist kein Ersatz für unzureichende Personalstärke im Team der Kurator*innen. Wir werden sehen, wie die Stadt den Spagat zwischen wachsenden Aufgaben bei sinkenden Budgetmöglichkeiten meistern will.

Und Eberhard Hauser … wie geht es dem leidenschaftlichen Kulturmenschen mit der Aussicht, sein Zeitsichtprojekt aus der Hand zu geben? Er hat allem Anschein nach kein Problem, loszulassen, und freut sich, dass der Award auch weiterhin in guten Händen bleiben wird. 

Friedenspreis
Brechtpreis
Zeitsicht Art Award

Die Stadt Augsburg verleiht zukünftig den bekannten Kunstpreis, der aus einer privaten Initiative entstanden ist.

Als dritten überregional wirkenden Kunstpreis wird die Stadt Augsburg ab 2024 den Zeitsicht Art Award verleihen.

Dieser wird neben dem Augsburger Friedenspreis (Politik) und dem Bertolt-Brecht-Preis (Literatur) der Zeitsicht Art Award sein.

Vor über 20 Jahren wurde der Preis als private Initiative des Augsburger Beratungsunternehmens hauserconsulting von Eberhard Hauser und Martin Hagen ins Leben gerufen. Bedeutende Künstlerpersönlichkeiten wie Marina Abramovic, Arnulf Rainer, Rebecca Horn, Neo Rauch oder Katharina Sieverding haben sich seitdem persönlich für den Zeitsicht Art Award engagiert und vielen Preisträger:innen wichtige Impulse für ihre weitere künstlerische Arbeit gegeben.

Im Anschluss an die große Jubiläumsausstellung 2022 im Augsburger Glaspalast, wo auf über 800 qm eine Retrospektive aller Preisträger:innen stattfand, intensivierten sich die Gespräche mit der Stadt Augsburg, die Interesse an einer dauerhaften Etablierung des Kunstpreises in städtischer Verantwortung zeigte.

Am 28. September 2023 wurde nach längeren Verhandlungen schließlich eine Vereinbarung zwischen hauserconsulting und der Stadt Augsburg geschlossen, die eine dauerhafte Verankerung des Zeitsicht Art Award im Augsburger Kulturleben sicherstellen soll.
Die erste Preisverleihung mit Preisträger-Ausstellung wird Ende 2024 stattfinden und setzt damit die Erfolgsgeschichte des Zeitsicht Art Awards fort.

Augsburg bekommt einen neuen und bekannten Kunstpreis

Dienstag, 17. Oktober 2023 Augsburger Allgemeine
von Richard Mayr

Bisher hat die in Augsburg ansässige Beratungsfirma Hauserconsulting den Zeitsicht-Art-Award vergeben, nun wandert die Auszeichnung in städtische Obhut.

Sich von dem Kunstpreis zu trennen, sei ihm nicht schwergefallen, sagt Eberhard Hauser, Geschäftsführer von Hauserconsulting. 20 Jahre lang hat seine Firma den Preis vergeben. Als 2007 dann nicht mehr eine Jury, sondern international bekannte Künstler über die Vergabe entschieden, hatte der Zeitsicht-Art-Award auch ein ganz eigenes Profil, das ihn von anderen Kunstpreisen unterschied. Daniel Richter, Neo Rauch, Marina Abramovic gehörten zu denjenigen, die eine Preisträgerin oder einen Preisträger kürten. Die großen Namen waren in diesen Preis involviert.

Und nun? Wird der Zeitsicht-Art-Award ein Modell für Public Private Partnership, wie das neudeutsch heißt, für das Zusammenwirken von Kommune und privater Wirtschaft. Für die Ausrichtung des Zeitsicht-Art-Awards werden die städtischen Kunstsammlungen verantwortlich sein, wie Jürgen Enninger, der Kulturreferent Augsburgs, und Christof Trepesch, der Leiter der Kunstsammlungen, sagen. Deshalb müsse sich auch die Vergabepraxis ändern. Denn die Stadt könne nicht einfach einer Künstlerin oder einen Künstler für die Auswahl bestellen. Das Verfahren müsse demokratisch legitimiert sein. Deshalb wird es wieder eine Jury wie in den Anfangsjahren des Zeitsicht-Preises sein, die die Gewinnerin oder den Gewinner auswählt.

Hört man Enninger, Trepesch und Hauser zu, wenn sie von der Neuausrichtung des Preises sprechen, dann ist beim Kulturreferenten und dem Unternehmer Freude, gleichzeitig aber auch Erleichterung wahrzunehmen. Freude, dass der Kunstpreis einen neuen Weg einschlägt, Erleichterung, dass Stadt und Unternehmer einen Modus gefunden haben, handelseinig zu werden. „Ich musste lernen, wie eine Verwaltung denkt“, sagt Hauser. Andersherum galt das natürlich genauso.

Denn die Verbindung von Hauserconsulting zum Preis bleibt erhalten, die Beratungsfirma stattet die Stadt mit dem Preisgeld von 7000 Euro aus und übernimmt dazu auch weitere, anfallende Kosten. Die Aufgabe war, dieses Engagement in einen Vertragstext zu übersetzen, mit dem sowohl die Kommune als auch der Unternehmer leben konnten. „Wir haben Neuland beschritten“, findet Enninger. Augsburgs Kulturreferent betont dabei, dass er hoffe, Nachahmer in anderen Bereichen zu finden. Stadt und private Akteure können gemeinsam viel erreichen.

Der Vertrag läuft über fünf Jahre, wie zu hören ist, vergeben werden soll der Preis im Zwei-Jahres-Rhythmus. Die nächsten beiden Ausgaben, 2024 und 2026, sind also gesichert. Im Anschluss verlängere sich der Vertrag automatisch, es sei denn, eine der beiden Parteien kündige ihn. In der Jury werde Hauserconsulting beratend, aber ohne Stimmrecht sitzen. Wie sich das Gremium endgültig bei der ersten Vergabe zusammensetzen werde, könne im Augenblick nicht gesagt werden. Vorbild sei die Jury für den Brechtpreis. Es sollen also nicht nur Augsburger Fachleute für Kunst vertreten sein.

Enninger und Hauser betonen beide, dass der Zeitsicht-Art-Award eine Lücke bei den städtischen Preisen schließe – auch durch die Höhe des Preisgeldes von 7000 Euro. Damit könnte der Preis auch an Künstlerinnen und Künstler vergeben werden, die sich schon einen Namen erarbeitet haben. Er sei also in gewisser Weise das Gegenstück zu den Kunstförderpreisen der Stadt, mit denen der Nachwuchs aus der Region gefördert werde. Deshalb gebe es beim Zeitsicht-Art-Award keine Einschränkungen oder Bestimmungen bei der Vergabe. „Das liegt voll im Aufgabenbereich der Jury“, sagt Enninger.

Die Geschichte des Zeitsicht-Preises reicht sogar noch weiter als 2002 zurück. Von 1991 bis 2001 gab Hauser schon unter dem Begriff „Zeitsicht“ Kunsteditionen heraus, für die jeweils andere Künstlerinnen und Künstler angefragt wurden. Mit der Vergrößerung der Beratungsfirma ging die Gründung der Stiftung Kunstpreis Zeitsicht einher. An das Jahr 2002 erinnert sich Hauser gut. Damals vergab die Stiftung zum ersten Mal den Preis mit einer Jury. „Wir haben den Preis deutschlandweit ausgeschrieben und bekamen dermaßen viele Kunstwerke eingereicht, dass wir extra Räume dafür anmieten mussten“, erzählt Hauser. „Wir haben noch Jahre später Post von verärgerten Künstlern bekommen, die sagten, dass die Kunstwerke beim Rücktransport beschädigt worden seien.“

Die Verbindung zwischen den Kunstsammlungen und dem Zeitsicht-Art-Award besteht schon länger. Als Künstler wie Markus Lüpertz, Rebecca Horn und Neo Rauch die Ausgezeichneten (Alexander Knych, Antonio Paucar, Mirjam Völker) auswählten, kam es zur Kooperation bei der Ausstellung, die die Preisvergabe begleitete. Mit einer Ausstellung soll die Preisvergabe auch weiterhin verbunden sein.

Stadt Augsburg verleiht künftig den Zeitsicht Art Award

Oberbürgermeisterin Eva Weber, Eberhard Hauser (hauserconsulting) und Kulturreferent Jürgen K. Enninger (v. r.) bei ihrer Vereinbarung zur Fortführung des Kunstpreises „Zeitsicht Art Award durch die Stadt Augsburg Bildnachweis: Katrin Mayr / Stadt Augsburg
Oberbürgermeisterin Eva Weber, Eberhard Hauser (hauserconsulting) und Kulturreferent Jürgen K. Enninger (v. r.) bei ihrer Vereinbarung zur Fortführung des Kunstpreises „Zeitsicht Art Award durch die Stadt Augsburg Bildnachweis: Katrin Mayr / Stadt Augsburg
17.10.2023 – Pressemitteilung der Stadt Augsburg

Der 2002 von hauserconsulting gestiftete Kunstpreis wird ab 2024 alle zwei Jahre von den Städtischen Kunstsammlungen und Museen vergeben

  • OB Eva Weber: Großer Dank für Engagement und Zukunft des Preises
  • hauserconsulting finanziert Preis weiterhin mit 20.000 Euro je Verleihung
  • Kulturreferent Jürgen K. Enninger: Profilierung Augsburgs als Kunstmetropole
  • Hochkarätig besetzte Jury entscheidet künftig über Preis-Vergabe

Mit dem „Zeitsicht Art Award“ werden aufgrund einer Vereinbarung zwischen der Stadt Augsburg und dem Augsburger Beratungsunternehmen hauserconsulting GmbH auch künftig Künstlerinnen und Künstler ausgezeichnet, die auf ihrem Weg zu überregionaler Anerkennung ermutigt und sichtbar gemacht werden sollen. Über die Vergabe des Preises entscheidet künftig eine hochkarätig besetzte Jury mit insgesamt fünf Persönlichkeiten, die Vorschläge für den Preisträger bzw. die Preisträgerin einreichen.

OB Eva Weber: »Herzlichen Dank für 20 Jahre Engagement«

Oberbürgermeisterin Eva Weber freut sich, dass der Preis auch künftig verliehen werden kann und dankt den Initiatoren herzlich für ihr Engagement: „Kunst wird in Deutschland vor allem von den Ländern und Kommunen getragen. Die hauserconsulting GmbH jedoch hat bereits vor mehr als 20 Jahren die Initiative ergriffen und aus eigener Kraft einen Kunstpreis etabliert“, so die OB.  Der „Zeitsicht Art Award“ habe aufgezeigt, wie Kooperationen im Bereich der Kultur zwischen Stadt und Privatwirtschaft funktionieren können. „Ich danke hauserconsulting für 20 Jahre Engagement und freue mich, dass der ‚Zeitsicht Art Award‘ weiterhin ein fester Bestandteil des Kulturlebens unserer Stadt bleibt“, so die Oberbürgermeisterin.

Verleihung ab 2024 durch städtische Kunstsammlungen und Museen

Ab 2024 übernehmen die städtischen Kunstsammlungen und Museen die alle zwei Jahre stattfindende Verleihung des Preises. Jeder Preisträger bzw. jede Preisträgerin wird künftig ein deutlich erhöhtes Preisgeld in Höhe von 7.000 Euro sowie eine Ausstellungsmöglichkeit erhalten.

Kulturreferent Jürgen K. Enninger: „Hohe Glaubwürdigkeit des Awards“
Kulturreferent Jürgen K. Enninger sagt hierzu: „Ich freue mich, dass die Stadt Augsburg mit dem ‚Zeitsicht Art Award‘ neben dem eher regional verorteten städtischen Kunstpreis und Kunstförderpreis auch einen überregional wirkenden Preis für Bildende Kunst vergeben kann. Vielen Dank für Gesamtunterstützung in Höhe von 20.000 Euro je Preisverleihung durch hauserconsulting.“ Mit dem Preisgeld werde eine hohe Glaubwürdigkeit des Awards geschaffen. „Angemessen dotierte Augsburger Kunstpreise unterstreichen die Bedeutung von Kunst und sorgen so für eine entsprechende Profilierung Augsburgs als Kunstmetropole“, führt der Kulturreferent weiter aus.

Kunstpreis 2002 durch hauserconsulting ins Leben gerufen

Der Kunstpreis wurde 2002 durch die die hauserconsulting GmbH & Co KG unter dem Namen „Zeitsicht Kunstpreis“ ins Leben gerufen.
„Es ist uns eine große Freude, gemeinsam mit der Stadt Augsburg einen überregional wirkenden Kunstpreis zu schaffen, der neben Brechtpreis und Friedenspreis die Bedeutung der Bildenden Kunst in Augsburg in den Fokus rückt“, so Eberhard Hauser, Gründer und Geschäftsführer von hauserconsulting.

Unterstützung vieler bekannter Künstlerpersönlichkeiten

Aus kleinen Anfängen mit Ausstellungen in den Büroräumen von hauserconsulting fand der Preis im Lauf der Zeit viel Unterstützung von bekannten Künstlerpersönlichkeiten. So wurden die Preisträgerinnen und Preisträger ab 2006 von renommierten Künstlerinnen wie Marina Abramovic, Katharina Sieverding oder Rebecca Horn bzw. Künstlern wie Markus Lüpertz, Neo Rauch und Arnulf Rainer ausgewählt. Seit 2008 erfolgt die Auswahl in Zusammenarbeit mit den Kunstsammlungen und Museen der Stadt Augsburg. Im Jahr 2022 feierte der Zeitsicht Art sein 20-jähriges Jubiläum mit einer großen Ausstellung aller Preisträgerinnen und Preisträger in der Halle 1 – Raum für Kunst im Glaspalast.