Zeitsicht Art Award

Zeitsprung
2015

Michael Grudziecki

Portrait Michael Grudziecki

Der Preisträger

Michael Grudziecki

1977
  • geboren in Wroclaw (Breslau) / Polen,
  • lebt und arbeitet in München
2005
  • Abschluss des Studiums mit Diplom als Meisterschüler bei Professor Gustav Kluge an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe
2004
  • Gründung der V8 Plattform für neue Kunst
Stipendien und Preise
2019
  • GMA International Residency, Gwangju, Südkorea
2011
  • Aufenthaltsstipendium, Hàbitat Artístic Castelló, Castellón de la Plana, Spanien
2009
  • Katalogförderung der LfA Förderbank Bayern
2006
  • Jahresstipendium Fundación Bilbao Arte Fundazioa, Bilbao, Spanien
  • Kunstpreis Europart 3, Freiburg, Hauptpreis
  • Kunstpreis Kirn, »Global ’06«, Zweiter Platz
2005
  • Zeitsicht Kunstpreis, »Kriegszeit / Friedenszeit«
2004
  • Kunstpreis Karlsruher Sparkasse, »Malerei als Medium der Kritik«
Einzelausstellungen
2021
  • »JOURNEY JOURNALS«, Köşk, München
2016
  • »Geometry of physics«, Kunstagentin, Köln
2015
  • »Sea forts«, Galerie im Science Park, Ulm
2013
  • »Sea forts«, SC Gallery, Bilbao, Spanien
  • »Sea forts«, Polis, München
  • »Recent sea forts«, V8 Plattform für neue Kunst, Karlsruhe
2012
  • »New York, San Francisco«, Pasinger Fabrik, München
  • »New York, San Francisco« in der Galerie Färberei, München
2011
  • »Zeitenwende« mit Sandip Shah, Galerie Andreas Greulich, Frankfurt am Main
  • »Faltschema Treviso«, Import/Export, München
2010
  • »Tours/Türme«, Foyer von ARTE, Straßburg, Frankreich
  • »Flags«, xhoch4 Galerie, Ingolstadt
2009
  • »Torres/Towers«, Zuloa, Vitoria, Spanien
  • »Take away«, SC Gallery, Bilbao, Spanien
2008
  • »Black Waters«, Städtische Galerie Offenburg mit Gama (Katalog)
  • »Per aspera ad astra«, Galerie Goethe 53, München
  • Kunstsalon Galerie Anja Rautenstrauch, Frankfurt
2007
  • »Hattrick«, V8 Plattform und zwei weitere Orte in Karlsruhe
2005
  • »Fort Europa«, V8 Plattform für neue Kunst, Karlsruhe
Gruppenausstellungen
2021
  • »OSTRALE«, Dresden
  • »FOR FREE*« (*artists are not working FOR FREE), Galerie Andreas Binder, München
2020
  • »Das Ziel ist im Weg«, V8 Plattform für neue Kunst, Karlsruhe
2019
  • »In the year of the golden pig«, Villa Waldberta, München
  • »open studio«, GMA, Gwangju, South Korea
  • »Nichtclub«, V8 Plattform für neue Kunst, Karlsruhe
2018
  • »Global control and censorship«, MODEM, Debrecen, Ungarn
  • »Global control and censorship«, Galerie NTK, Prag, Tschechien
  • »Resistance X«, SC Gallery, Bilbao, Spanien
  • »Global control and censorship«, ETM, Vilnius, Litauen
  • »MOB«, V8 Plattform für neue Kunst, Karlsruhe
  • »Global control and censorship«, Galeria Arsenal, Bialystok, Polen
2017
  • »Jahresgaben«, Kunstverein, München
  • »Shopping Mall«, Verpackerei Gö, Görisried
  • »Global control and censorship«, Nová Synagóga, Zilina, Slowakei
  • »Magic City«, Kleine Olympiahalle, München
  •  
2017
  • »Shopping Mall«, Villa Jauss, Oberstdorf
  • »Global control and censorship«, Tallinna Kunstihoone, Tallinn, Estland
  • »BEST 07 17«, Galerie im Science Park, Ulm
  • »No secrets! – Images of Surveillance«, Stadtmuseum, München (catalogue)
  • »Shoppingmall«, Galerie der Künstler, München
  • »Watching paint dry«, V8 Plattform für neue Kunst, Karlsruhe
2016
  • »Jahresgaben«, Kunstverein, München
  • »Unilted«, Centrul Multicultural, Braşov, Rumänien
  • »Blickfang«, Kunsthaus, Kaufbeuren
  • »Espacios en desuso«, SC Gallery, Bilbao, Spanien
  • »XI V VII«, V8 Plattform für neue Kunst, Karlsruhe
2015
  • »Global control and censorship«, ZKM, Karlsruhe
  • »Jahresgaben«, Kunstverein, München
  • »Jahrhundertgaben“, Weltraum, München
  • »V8 meets NOIMA«, Friday Exit, Vienna, Austria
  • »POPUP 21«, Osijek, Kroatien
  • »10 Jahre V8«, V8 Plattform für neue Kunst, Karlsruhe
2015
  • »10 Jahre V8«, V8 Plattform für neue Kunst, Karlsruhe
2014
  • »V8 Plattform«, Calpe Gallery, Timișoara, Rumänien
  • »Independent Arts«, SteM Zwijgershoek, Sint-Niklaas, Belgien
  • »Vorsicht, Arbeit«, V8 Plattform für neue Kunst, Karlsruhe
2013
  • »Tacker«, Galerie der Künstler, München
  • »Public Provocations V«,  Colab Gallery, Weil am Rhein
  • »8 Jahre V8«, V8 Plattformfür neue Kunst, Karlsruhe»

»Stolz darauf, Teil dieses Netzwerkes zu sein.«

Zu Besuch bei Michael Grudziecki

Nein, Menschen male er nie. Bei der Frage muss Michael Grudziecki nicht lange zögern. Der 36-Jährige steht in seinem Münchner Atelier, vor ihm zwei seiner neuesten Werke. Das eine zeigt eine Kirchturmspitze, die auf einem künstlichen Podest mitten im Meer thront. Das andere eine Art Baugerüst, oben drauf ein containerartiger Aufbau. Auch diese Konstruktion ragt irgendwo im Nirgendwo aus dem Meer. »Sea forts« heißt die Serie.

2005 hat der gebürtige Breslauer den damals 15. ZEITSICHT-Kunstpreis von hauserconsulting gewonnen. Neun Jahre sind eine lange Zeit – vor allem in einem noch relativ jungen Künstlerleben. Daher hatten wir ihn gefragt, ob wir nicht mal vorbei kommen könnten, um seinen Werdegang nachzuzeichnen.

Der erste Eindruck: Diesen Künstler kennen wir. Kurz getrimmter Bart, hager und höflich zurückhaltend – wie damals. Ein Nachdenker, kein Selbstdarsteller. Und auch »Sea forts« weckt durch den fotorealistischen Stil, das Primat der Architektur und die Menschenleere sofort Erinnerungen an die »Victory«-Serie, für die Grudziecki 2005 den Kunstpreis erhalten hatte.

Sein Atelier in Untergiesing passt zu ihm: unmünchnerisch bodenständig. Eine Klingel gibt es nicht. Man möge ihn anrufen, wenn man vor der Tür stehe, hatte er vorher gebeten. Und uns dann durch den Hof zum Hinterhaus geführt, eine alte Färberei. Die lange stillgelegten Tanks für Wasser und Chemie erinnern an die Arbeiter-Historie des Viertels im Münchner Südosten. Auch heute noch ist die bayerische Landeshauptstadt hier unnormal normal. Nachkriegs-Architektur von sehr überschaubarer Pracht, viel Kopfsteinpflaster, dazwischen Tattoo-Studios, Waschsalons und Kreativ-Büros. Das nächste Café heißt »Bald neu« – ein passendes Leitmotiv für Untergiesing.

Grudzieckis Arbeitsraum im zweiten Geschoss ist sparsam eingerichtet. Zahlreiche Hochregale für Farben, fertige Bilder und Habseligkeiten. Ein Schreibtisch, zwei Stühle und ein Kühlschrank, dem man vom Alter her maximal Energiesparklasse D zutraut. Seine Front zieren die gesammelten Alufolie-Deckel von Fünf-Minuten-Terrinen. An dem der Sorte Curry klebt ein Post-it »Sehr lecker«. Daneben Leergut. Wasser, Apfelschorle, Münchner Hell. Alles so normal, dass sogar die eine leere Flasche einer angesagten Öko-Limonade überkandidelt wirkt.

Auf Pomp legt Grudziecki keinen Wert. Wichtig ist ihm Platz – das gilt für die Formate seiner Kunst wie für sein Atelier: Drei Meter hoch sind die Decken, der Raum misst bald 30 Quadratmeter. Platz genug also für seine großteils übermannshohen Leinwände. In Schwabing oder der Innenstadt könne er sich solch ein Atelier sicher nicht leisten, sagt er. Und dass er froh sei, 2007 die alte Färberei gefunden zu haben.

Denn München sei eine schwierige Stadt für Künstler. Finanziell aufgrund hoher Mieten und der wenigen guten Ausstellungsräume, aber auch, was das Interesse an alternativen und aufstrebenden Künstlern angehe. »Das  Programm, das die großen Museen hier fahren, hat Weltniveau«, sagt Grudziecki. »Bei jüngerer Kunst dagegen schaut es schlechter aus. Auf den Vernissagen, wo ich bin, sehe ich immer die gleichen Leute. In der kleine Kunstgesellschaft hier fehlt das Interesse für die Liga darunter.«

Irgendwie passt das zu München. FC Bayern, Pinakotheken, Oktoberfest – Superlative goutiert man im »Millionendorf«. Was danach kommt? Ja, mei. »Es gibt daher hier einen ,Brain Drain’«, sagt Grudziecki. »Viele junge Leute gehen nach Berlin.«

Warum hat nicht auch er die Flucht ergriffen? »Berlin täte mir nicht gut. Ich könnte mich da nicht konzentrieren. Es ist eine Partystadt. Manchmal möchte ich einfach in Ruhe vor mich hinarbeiten und nicht immer irgendwo hingehen müssen.« Er habe sich in München eingerichtet, sagt Grudziecki und schiebt dann einen sehr interessanten Satz nach: »Inzwischen kann ich hier funktionieren.«

Funktionieren? Kühlschränke müssen funktionieren. Oder Organisationen. Aber Kunst?

»In gewisser Weise ja«, sagt er. »Ich muss ja irgendwie meinen Alltag bestreiten. Meist reicht es nicht, von dem zu leben, was die Kunst hergibt, und ich muss noch etwas dazu verdienen – etwa beim Aufbau von städtischen Ausstellungen. Insofern funktioniere ich als Teil des Kunstbetriebs.« Ökonomischer Realismus par excellence.

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