Zeitsicht Art Award
2011

Antonio Paucar

Rebecca Horn

Der Preisträger

Antonio Paucar

1972
  • geboren in Huancayo, Peru, lebt und arbeitet in Berlin und Peru
1997-1998
  • Studium der Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin
1998-2000
  • Studium der Bildenden Kunst an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee
2001-2004
  • Studium der freien Bildenden Kunst bei Prof. Lothar Baumgarten und bei Prof. Rebecca Horn an der Universität der Künste Berlin
2004
  • London Institute Chelsea College of Art and Design, Erasmus-Programm
2005
  • Meisterschülerstudium bei Prof. Rebecca Horn an der Universität der Künste Berlin
Einzelausstellungen und Performances
2006
  • Plataforma Puebla 06, Videoprojektionen, Puebla, México
  • Catodica international release of videoart, curated by Maria Campitelli Trieste, Italy
  • Medical Treatment
2007
  • Private Religion, Gallery Trafó, Budapest
  • Château Ivre Schloss Sacrow, Berlin
  • Master Show 2007, Chelsea College of Art and Design, London
2008
  • Luci mie traditrici, Salzburger Festspiele, Salzburg
  • Brazo en Brazo, Contemporaryartsalliance Berlin CAA
  • Unter Zeichen Zeichnen Galerie Art Transponder, Berlin
2009
  • Zeigen, eine Audiotour durch Berlin,
  • Temporäre Kunsthalle Berlin
  • Accesses all areas Drawing, Galeria Max Hezler, Berlin
  • Ode, Kommunale Galerie Berlin
2010
  • Spiegel im Spiegel, Kunstverein Oberer Neckar
  • Elektra, Staatstheater in Wiesbaden
  • Luci mie traditrici, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin
2011
  • Proyección de Video Arte peruano, Museo de Arte Contemporáneo MAC- Lima
Stipendien und Preise
2008
  • NaFöG – Nachwuchsförderung der Universität der Künste Berlin
2008-2009
  • Stipendium vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD)
2011
  • Zeitsicht-Kunstpreis

Die Laudatorin

Rebecca Horn

Seit dem Beginn der siebziger Jahre hat die im Odenwald geborene Künstlerin, Rebecca Horn ein Werk geschaffen, das sich zu einem immer weiter anwachsenden Strom aus Performances, Filmen, skulpturalen Raum-Installationen, Zeichnungen und Fotoübermalungen zusammenfügt. Die Unverwechselbarkeit dieser Bildwelt besteht in der höchst präzisen physischen und technischen Funktionalität, mit der die Künstlerin ihre Skulpturen und deren Bewegungsabläufe in Räumen in Szene setzt. Fundstücke und selbst konstruierte Gegenstände sind die Bauelemente für kinetische Skulpturen, die aus ihrer definierten Materialität gelöst und in eine immaterielle Metaphorik der ständigen Transformation überführt werden. Jede neue Arbeit scheint sich stringent aus der vorherigen zu entwickeln. 1989 begann sie ihre Lehrtätigkeit an der Hochschule der Künste in Berlin.

Performance

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Rebecca Horn trifft
Antonio Paucar

Für das Jahr 2011 wurde als Zeitsichtpreisträger Antonio Paucar ausgewählt.

Meine erste Begegnung mit ihm war während meiner Hochschultätigkeit. Gegen Ende jedes Semesters an der Universität der Künste in Berlin habe ich einen Performance Festival Abend organisiert. Die Studenten sollten ihre neuen Arbeiten einem kleinen Kreis der Öffentlichkeit präsentieren.

Antonio Paucar kam als Gast und wollte eine Performance zeigen. »Marcelihno« eine Hommage an Marcel Duchamp. Auf dem großen Rasen hatte er am Abend das Rad eines Fahrrades, wie die Ready-made Skulptur von Duchamp, montiert. Während der Performance löste er die Speichen aus diesem Rad, und vergrub sie in die Erde. Der mit Harz bestrichene Holzsockel wurde in Brand gesteckt, übrig blieb der Metallreifen. Er nahm diesen Metallring und balancierte ihn mit einem Holzstöckchen vorsichtig rollend über die Wiese. In der Bewegung dieses Rituals wurde ein neuer Raumkreis sichtbar. Die Duchamp’sche Skulptur wurde hier zum archaischen Ritual, und wurde so von Antonio Paucar zu einer erweiterten Raumskulptur transformiert. Dies war sehr beeindruckend.

Aufgewachsen ist Antonio Paucar in Huancayo im Zentralmassiv der Anden, in dem kleinen Dorf Aza. Sein Großvater Pedro Abilio Gonzales Flores, war ein bekannter Bildhauer dieser Gegend, und sein Werk widmete er religiösen und spirituellen Themen. Der Schutz und die frühen Lehrjahre seiner Kindheit bedeuten für Antonio Paucar eine tiefe Verwurzelung mit diesem peruanischen Lebensraum.

Durch die politische Krise in den 90iger Jahren in Peru gelang es der Familie, dem 22-jährigen Sohn, die Reise nach Europa zu ermöglichen. In Berlin fand er Freunde und dennoch blieb er ein Wanderer zwischen den Welten. Seine Reisen sind Pendel-Rhythmen zwischen den Anden und Europa.

In seinen Performances beschwört er seine Erfahrungen in Peru und initiiert diese Vulkanausbrüche jedes Mal neu. Sie schwingen bis zu Anden und kommen von dort als wehende Energien zurück.

Rebecca Horn, 1. August 2011